Ausgleichsbeträge der Einwohner fließen bis zu einem Stichtag nicht nach Potsdam ab - MAZ 24.08.2011

STÄDTEBAUFÖRDERUNG: Geld der Frühzahler bleibt im Ort

Ausgleichsbeträge der Einwohner fließen bis zu einem Stichtag nicht nach Potsdam ab

BLUMENTHAL -Mit der Eröffnung des Blumenthaler Bürgerhauses jüngst feierten die Einwohner gleich noch ein zweites Jubiläum. Der Heiligengraber Ortsteil schöpft seit 20 Jahren Mittel aus dem Programm der Städtebauförderung. 3,3 Millionen Euro flossen seit 1991 in die Sanierung der Gebäude, Straßen, Wege und Plätze. 828 000 Euro davon gab die Gemeinde dazu. 2,5 Millionen Euro kamen vom Bund und Land. Hinzu kommen zusätzlich 150 000 Euro aus dem Förderprogramm „Integrierte ländliche Entwicklung“.

„Eigentümer innerhalb des Sanierungsgebietes haben zur Verbesserung des Ortsbildes wesentlich beigetragen“, sagt Monika Platz vom Sanierungsträger „DSK“. Die Abkürzung steht für die Firma Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Allein für Modernisierung und Instandsetzung haben Bund, Land und Gemeinde 1,81 Millionen Euro aufgewendet. 730 000 Euro davon flossen in 29 private Bauvorhaben. Die Bauherren beteiligten sich mit insgesamt 1,1 Millionen Euro. Stellvertretend für gelungene geförderte Maßnahmen nennt Monika Platz die Bahnhofstraße1, 2 und 3, die Straße der Solidarität 15, 31, 42 und 51. Das am Freitag eröffnete Bürgerhaus kostete 640 000 Euro, von denen 96 Prozent aus Bundes-, Landes- und Gemeindekassen kommen und weitere vier Prozent allein von der Gemeinde getragen wurden (die MAZ berichtete). Weitere Förderobjekte sind Nebenanlagen an der Straße der Einheit, Parkweg, Schulkomplex mit Nebengebäude, Außenanlagen der Kita, Parkplatz an der Grundschule, Trauerhalle und Neuordnung des ehemaligen BHG-Geländes.

Monika Platz lobte jene 46 Blumenthaler, die bereits vorfristig einen Ausgleichsbetrag für die Wertsteigerung ihrer Grundstücke im Sanierungsgebiet geleistet haben. Dadurch flossen bislang 50 000 Euro, die allein für Blumenthaler Projekte genutzt werden.

Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenhahn bittet darum, dass sich noch weitere Blumenthaler für diese Möglichkeit entscheiden. Denn davon profitiert die Gemeinde noch selbst. Kippenhahn: „Das Geld können wir bis zu einem Stichtag ausschließlich für Blumenthal einsetzen. Danach fließt es in die Landeskasse.“ (Von Dirk Klauke)

Sieben Varianten waren nötig bis zum schmucken Blumenthaler Bürgerhaus - MAZ 20.08.2011

ERÖFFNUNG: Ein Haus für alle Bürger

Sieben Varianten waren nötig bis zum schmucken Blumenthaler Bürgerhaus

BLUMENTHAL -Nach vierjähriger Bauzeit ist das Blumenthaler Bürgerhaus gestern eröffnet worden. Die beträchtlichen finanziellen Kraftanstrengungen hätten sich gelohnt, sagte Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenhahn. Der hatte schon zuvor als Kämmerer der Gemeinde mit ein Auge darauf, dass die Kommune nicht viel zuzahlen muss. Denn von den Gesamtkosten in Höhe von 640 000 Euro sind gerade mal vier Prozent Eigenmittel zu berappen. 96 Prozent sind Fördermittel vom Land und Bund.

Der Bau ist für den Bürgermeister ein Beleg dafür, dass das Sprichwort „Allen Unkenrufen zum Trotz“ gilt. Zwei Unkenrufe seien bereits widerlegt worden. Als Unkenruf Nummer eins bezeichnete er die Vorbehalte zur Gemeindegebietsreform im Jahr 2003. Blumenthal sei zwar mit Heiligengrabe zusammengeschlossen, aber von der Gemeinde immer als großes Dorf gesehen worden.

Unkenruf Nummer zwei bezeichnete Kippenhahn die Bedenken, ob denn bei der Masse der Gewerke vernünftig gearbeitet werden könne.

Dem dritten Unkenruf werde demnächst getrotzt, ist sich Kippenhahn sicher: Der neugegründete Verein Kult werde mit der Betreibung zurechtkommen und nicht überfordert sein. Im September werde die Gemeinde mit dem Verein einen Betreibervertrag schließen, der zuvor noch von den Gemeindevertretern behandelt werden müsse. Kippenhahn bedankt sich bei am Bau beteiligten Menschen mit 100 Zollstöcken, die eigens dafür bedruckt worden sind.

Ortsvorsteherin Bettina Teiche resümierte, dass beim Bürgerhausbau besonders viele Frauen aktiv waren, „Frauenpower“ nannte sie das. Monika Platz von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft zum Beispiel habe Visionen, wie Dörfer aussehen können. Wittstocks Architektin Anette Abel bewies Stil und Geschmack bei der Umsetzung des Farbkonzepts. Teiche: „Das ist wunderschön geworden.“

Sina Wehland kümmerte sich um die Ausführung dieser Farbkonzeption. Sie bekam das Lob in Abwesenheit, weil sie im Urlaub weilte. Dafür nahm Vater Fred Wehland, der Jabeler Malermeister, den Blumenstrauß für die Tochter entgegen. „Ulrike Stasch habe Mut und Kraft bewiesen, bis zum letzten Schlüssel zu kämpfen“, lobte die Ortsvorsteherin. Sich selber konnte Bettina Teiche zwar nicht loben, aber jeder Blumenthaler weiß, dass sie mit zur Frauenpower-Runde gehört.

Architekt Bernd Abel erinnerte daran, dass es seit dem Jahr 2008 sieben Varianten für ein künftiges Bürgerhaus gegeben habe. Dazu habe auch die Nutzung im Gebäude der Schule und in dem der Sparkasse gehört. Die hätten aber nicht genutzt werden können.

Am Vormittag war die offizielle Eröffnung. Ab Nachmittag wurde ein zünftiges Bürgerfest gefeiert. (Von Dirk Klauke)

Schmuckstück - MAZ 20.08.2011

Dirk Klauke freut sich mit den Blumenthalern über ihr gestern eröffnetes Bürgerhaus

Schmuckstück

Das Bürgerhaus Blumenthal kann sich echt sehen lassen. Der Schandfleck verschwand, ein Schmuckstück entstand. Kritiker wenden ein, dass es für ein Dorf überdimensioniert ist. Das Geld hätte man woanders einsetzen können. Zu Recht?

Mitnichten, wenngleich es außergewöhnlich ist, in Zeiten knapper kommunaler Haushaltsmittel ein gemeindeeigenes Bauvorhaben von dieser Größenordnung fertigzustellen. Doch darf sich der kritische Betrachter nicht von der bloßen Investitionssumme leiten lassen. Ein Blick auf die Ausgaben für die Gemeinde macht klar: nur einen Bruchteil müssen die Heiligengraber für das schnieke Bürgerhaus im Ortsteil Blumenthal aus eigenen Mitteln aufbringen. 96 Prozent der Kosten übernehmen Land und Bund. Hier sind Steuermittel positiv eingesetzt worden.

Bis jetzt jedenfalls. Nun kommt es darauf an, das Gebäude auch gut auszulasten. Mit dem Geschäft des Gewerbetreibenden Mario Schimmelpfennig kommt eine regelmäßige Einnahme rein. Der Betreiberverein wird sich darum kümmern, dass weitere Gelder eingenommen werden. Dazu wird im September ein entsprechender Betreibervertrag geschlossen. Der soll auch sicherstellen, dass das Schmuckstück bei vernünftiger Nutzung als solches erhalten bleibt.